Veranstaltungen auf einen Blick:

Verstörend, klagend, melancholisch

Die Stadt Leipzig hat „Eine Europäische Friedensmusik 2013“ in Auftrag gegeben. Dafür vereinen sechs junge Komponisten aus Deutschland, Frankreich, Österreich, Polen, Russland und Schweden ihre Beiträge zu einem Gesamtkunstwerk. Am Sonntagabend kamen zum Abschluss der Feierlichkeiten anlässlich des Doppeljubiläums „200 Jahre Völkerschlacht bei Leipzig und 100 Jahre Eröffnung des Völkerschlachtdenkmals“ im Inneren des Monuments fünf dieser Beiträge mit dem Denkmalchor Leipzig, den Dresdner Vokalsolisten, dem Kernquintett sowie Georg Wendt (Orgel), Bernd Brückner (Saxophon), Martina Kropf (Fagott), Johannes Cotta und Stefan Stopora (beide Perkussion) unter der Leitung von Ingo Martin Stadtmüller zur Uraufführung. Die Herangehensweise der jungen Komponisten an die Thematik einer „Friedensmusik“ ist so vielfältig wie deren kompositorische Umsetzung. Der A-cappella-Satz für achtstimmigen gemischten Chor „Frieden“ der Österreicherin Gabriele Proy mahnt den Waffenstillstand erst leise, dann machtvoll an. Das „Klagelied“ für Chor und Instrumentalensemble des Russen Boris Rysin verdeutlicht mit aufwühlendem Sprechgesang und verstörenden Dissonanzen die Schrecken eines Krieges. Eine emphatische Mahnung ist auch die „Erinnerung“ für Chor, Orgel und Perkussion des Franzosen Florent Motsch: Hier schälen sich Einzelstimmen aus den Klangclustern im Chor heraus, verängstigen die leise Orgel und Paukengrollen. Das „Ave Maria“ des Schweden Daniel Fjellström für Chor und Sopransaxophon berührt mit seinem Wechsel von Frauenstimmen und gemischtem Chor sowie einem jazzig-melancholischen Saxophon, während der Pole Pawel Łukaszewski im klanggewaltigen „Lux aeterna“ für Chor und Instrumentalensemble die Herrlichkeit des Friedens in einem wunderschönen Chorsatz und ebensolcher Instrumentierung ausdrückt. Alle Komponisten haben ihre Werke eigens für die Aufführung im Völkerschlachtdenkmal geschrieben. Die Akustik ist hier durch ihren extrem langen Nachhall genauso heikel wie reizvoll: Immer wieder schieben sich die Akkorde ineinander und erzeugen so beeindruckende Klangflächen. Die von Maja Chrenko eindringlich vorgetragenen Ausschnitte aus „Erinnerungen der Auguste Vater, Pfarrerstochter aus Seifertshain“ liefern beklemmende Zeitzeugnisse der Völkerschlacht. Großer Applaus in der voll besetzten Krypta und Ruhmeshalle für einen großartigen Abend.

Birgit Hendrich, LVZ, 22. Oktober 2013


Rückblick der Konzerte